
Boykott gegen Boycott
Der Brite Charles Cunningham Boycott (1832–1897) verwaltete im Auftrag des dritten Earl of Erne dessen Ländereien in der irischen Grafschaft Mayo. Boycott war
bei den Pächtern unbeliebt. Die Irish Land League, eine Organisation, die für die Rechte der Pächter kämpfte, zog die Landarbeiter von Boycotts Ländereien ab. Als
dieser sich zur Wehr setzen wollte, organisierte die Land League eine Isolationskampagne – oder, wie man heute sagen würde, einen Boykott – gegen Charles Boycott.
Nachbarn redeten nicht mehr mit ihm, in Geschäften wurde er nicht bedient und keiner arbeitete auf seinen Feldern.
Boycott liess die Ernte mit 50 aus Ulster angereisten protestantischen Arbeitern unter dem Schutz englischer Truppen und mehr als 1000 Polizisten einbringen.
Anschliessend verliess er Irland. Die Geschichte hatte ein grosses Medienecho und wahrscheinlich wurde in einer Zeitung damals zum ersten Mal der Begriff
«boycotting» verwendet.


Archimedes von Syrakus lebte um 287–212 v. Chr im antiken Griechenland. Er war Mathematiker, Physiker und Ingenieur. Der Legende nach wurde er von König Hieron II.
von Syrakus beauftragt, herauszufinden, ob die königliche Krone aus reinem Gold bestand. Diese Aufgabe war schwierig, weil die Krone nicht zerstört werden durfte. Grübelnd stieg
Archimedes in eine randvolle Badewanne – und hatte die Lösung. Er sprang aus der Wanne, lief splitternackt durch die Strassen und rief «Heureka!».
«Heureka» ist griechisch und heisst: «ich habe es gefunden». Archimedes hatte nämlich beobachtet, dass das Wasser, welches über den Rand der vollen Wanne schwappte, genau
dem Volumen (nicht dem Gewicht!) seines Körpers entsprach. Er nahm Hierons Krone und einen genau gleich schweren Goldbarren und tauchte beide nacheinander in einen vollen
Behälter Wasser. Wären beide aus reinem Gold gewesen, hätten sie dasselbe Volumen gehabt und daher gleich viel Wasser zum Überlaufen gebracht. Bei der Krone schwappte aber mehr
Wasser über. Sie hatte daher bei gleich viel Gewicht mehr Volumen als der Barren. Das Gold der Krone war also mit einem leichteren, billigeren Metall gemischt worden.

Was eine venezianische Laguneninsel mit Computerviren verbindet
Im 14. Jahrhundert wütete in Europa eine grosse Pestepidemie. Etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas starb an der ansteckenden Krankheit. Im Jahre 1374
verfügte Venedig Einreisebeschränkungen für Schiffe, die unter Pestverdacht standen. Während vierzig Tagen (une quarantaine de jours, quaranta giorni) wurden Schiffe
und deren Besatzung auf der Laguneninsel Isola di San Lazzaro isoliert. Wer nach vierzig Tagen nicht erkrankt war, galt als nicht ansteckend und durfte einreisen.
So ist die vierzigtägige Isolation, die bereits im Mittelalter praktiziert wurde, erst in den französischen und dann in unseren Sprachgebrauch übergegangen. Heute
wird er auch oft im Bereich der Internetsicherheit verwendet: Man spricht von Quarantäne, wenn per E-Mail verschickte, verdächtige Dateien, die zum Beispiel Viren enthalten
könnten, in einem geschlossenen Bereich gespeichert werden.

John Montagu, vierter Earl der südostenglischen Grafschaft Sandwich (1718–1792), war britischer Diplomat und Staatsmann, aber auch ein leidenschaftlicher
Cribbage-Spieler. So liess er sich während des Cribbage-Spiels nur ungerne unterbrechen – auch wenn das Spiel bis zu 24 Stunden dauerte. Gegen den Hunger liess er sich
daher einen Imbiss reichen, den er von Hand und ohne Messer und Gabel zu sich nehmen konnte: eine Scheibe Fleisch, die zwischen zwei Toasts geklemmt wurde.
Das Sandwich war geboren!
Das neue Gericht kam in London rasch in Mode und ist heute weit verbreitet. Noch zu Lebzeiten Sandwichs benannte der englische Seefahrer James Cook eine Inselgruppe im
Südatlantik nach Sandwich: die südlichen Sandwichinseln.

Im Sommer 1838 kam in Boston eine seltsame Mode auf: Abkürzungen wurden bewusst falsch geschrieben, z. B. KG für know go (statt no go – geht nicht) und eben auch OK
für oll korrect (statt all correct). Die meisten dieser Abkürzungen verschwanden wieder, nicht so OK, das sich bis zum heutigen Tag gehalten hat.
Neben dieser Erklärung gibt es noch viele andere. Hier eine Auswahl:
- OK als telegrafisches Signal für open key (empfangsbereit)
- OK als Abkürzung für Oberkommando, mit der ein deutscher General im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg seine Dokumente absegnete.
- OK als Initialen von Otto Krause, der beim Automobilhersteller Ford in der Endproduktion gearbeitet und die fertigen Autos mit OK bezeichnet hat.
Wenn Menschen miteinander reden, reden sie allzu oft aneinander vorbei, weil sie mit bestimmten Begriffen nicht das Gleiche meinen. Dieses Projekt soll dazu anregen,
sich mit Wörtern auseinanderzusetzen. Denn die Sprache brauchen wir zwar täglich – sie ist aber keinesfalls alltäglich. Bücherbons zu gewinnen! Gehen Sie zum
Panel « Wortkreationen».
Ausführung: Stiftung Science et Cité www.science-et-cite.ch, Forschungsgruppe meaning.ch (Universität Bern) / Redaktion: advocacy.ch / Grafik: Atelier Poisson, Lausanne
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