science et cité – wissenschaft und gesellschaft im dialog
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Science et Cité
 
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Viele unserer alltäglichen Wörter stammen aus dem meistübersetzten Buch der Welt, dem Buch der Bücher – aus der Bibel. Mit der Bibelübersetzung durch Luther im 16. Jahrhundert fanden viele Begriffe und Sprachbilder der Bibel Einzug ins Deutsche. Manchmal ist die Bedeutung noch heute ähnlich wie in Bibelstellen oder Legenden, manchmal ist sie weit davon entfernt. Auf jeden Fall sind die biblischen Wurzeln von Wörtern und Redewendungen nur noch selten erkennbar. Woher kommt z.B. der Sündenbock?
 

«ER MUSSTE ALS SÜNDENBOCK HERHALTEN»

Im alten Testament steht: «Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Sünden der Israeliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste treiben lassen und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen.» Lev 16, 21
 

«DIES IST DAS A UND O DES GUTEN BENEHMENS»

A und O sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets (Alpha und Omega) und umfassen damit das gesamte Alphabet. Die Redewendung geht zurück auf die Offenbarung des Johannes, Kapitel 1, Vers 8: «Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.»
 

«ICH WASCHE MEINE HÄNDE IN UNSCHULD»

Matthäus, 27, 24: Zum Zeichen dafür, dass er mit der Verurteilung von Jesus nichts zu tun hat, wäscht sich Pontius Pilatus nach dem Urteil die Hände und spricht diese Worte aus.
 

«OJEMINE!»

«Ojemine» entstand als Zusammenzug der biblischen Anrede «Jesu domine». Diese Anrede als Kraftausdruck zu gebrauchen und damit zu missbrauchen verbieten die zehn Gebote, die Moses vom Berg Sinai zurückbrachte.

 

«DAS IST PERLEN VOR DIE SÄUE GEWORFEN»

Matthäus 7, 6: «Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füssen zertreten und sich umwenden und euch zerreissen.»
 

«ES FIEL UNS WIE SCHUPPEN VON DEN AUGEN»

Apostelgeschichte 9, 18: «Und alsbald fiel es von seinen Augen wie Schuppen und er ward wieder sehend.» Ein Mensch mit getrübten Sehlinsen hat den Eindruck, Schuppen vor den Augen zu haben.
 

«SIE IST EIN BUCH MIT SIEBEN SIEGELN»

Die Wendung bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes, wo das Lamm ein rätselhaftes Buch empfängt: «Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sass, ein Buch (...) versiegelt mit sieben Siegeln.»
 

«DIESE IDEE IST AUF SAND GEBAUT»

Matthäus bezieht sich auf das Gleichnis vom törichten Mann, der sein Haus auf Sand gebaut hat, wo es durch Regen und Wind bald einstürzte.

 

Die Bibel ist eine üppige Quelle für Worte und Redewendungen. Es gibt aber noch andere Quellen, wie die griechische Mythologie (Sisyphusarbeit, Achillesferse) oder die römische Sagenwelt (Vulkan). Fast jede Sprache der Welt ist von Geschichten aus der Vergangenheit geprägt.

 

Wenn Menschen miteinander reden, reden sie allzu oft aneinander vorbei, weil sie mit bestimmten Begriffen nicht das Gleiche meinen. Dieses Projekt soll dazu anregen, sich mit Wörtern auseinanderzusetzen. Denn die Sprache brauchen wir zwar täglich – sie ist aber keinesfalls alltäglich. Bücherbons zu gewinnen! Gehen Sie zum Panel «Wortkreationen».

Ausführung: Stiftung Science et Cité www.science-et-cite.ch, Forschungsgruppe meaning.ch (Universität Bern) / Redaktion: advocacy.ch / Grafik: Atelier Poisson, Lausanne