science et cité – wissenschaft und gesellschaft im dialog
Deutsch
science et cité – wissenschaft und gesellschaft im dialog
science et cité – wissenschaft und gesellschaft im dialog
Science et Cité
 
Alph@ Parcours Babylon zurück  vorwärts

 

Es gibt Wörter, die klingen ganz vernünftig. Dabei sind sie erfunden. Dichter und Geschichtenerzähler haben schon immer mit solchen Wörtern gespielt, so Lewis Carroll in seinem Gedicht «The Jabberwocky» und Franz Hohler im «Totemügerli» (siehe unten). Die Dadaisten pflegten neue Wörter Anfang des 20. Jahrhunderts in den berühmten Lautgedichten. Hugo Ball sagte dazu: «Mit diesen Tongedichten wollten wir verzichten auf eine Sprache, die verwüstet wurde und unmöglich geworden ist durch den Journalismus. Wir müssen uns in die tiefste Alchemie des Wortes zurückziehen und selbst die Alchemie des Wortes verlassen, um so die heiligste Domäne der Dichtung zu bewahren.»

«Kärchern» klingt zwar wie ein Fantasiewort, hat sich inoffiziell aber als Begriff für «Hochdruckreinigen mit einem Gerät der Firma Kärcher» eingebürgert. «Reibig» dagegen heisst (noch?) nichts. «Abfeld» auch nicht. «Birker» ist kein Beruf, «Gramelia» keine Blume und «Kaldome» sind keine schottische Fussbekleidung.

Aber was ist mit:    Grameln?    Questlaper?    Stanin?    Rufeiden?    Ranerisch?

 

S Totemügerli

Der Schöppelimunggi u der Houderebäseler si einischt schpät am Abe, wo scho der Schibützu durs Gochlimoos pfoderet het, über s Batzmättere Heigisch im Erpfetli zueglüffe u hei nang na gschtigelet u gschigöggelet, das me z Gotts Bäri hätt chönne meine, si sige nanger scheich.
«Na ei so schlöözige Blotzbänggu am Fläre, u i verminggle der s Bätzi, dass d Oschterpföteler ghörsch zawanggle!»
«Drby wärsch froh, hättsch en einzige nuesige Schiggeler uf em Lugipfupf!»
(...)

Geschichte mit erfundenen berndeutschen Wörtern von Franz Hohler (Originaltitel: «Es bärndütsches Gschichtli», © Franz Hohler)

 

Karawane

jolifanto bambla o falli bambla
großiga m’pfa habla horem
egiga goramen
higo bloiko russula huju
hollaka hollala
anlogo bung
blago bung
(...)

Dadaistisches Gedicht
von Hugo Ball

 

Esperanto
Esperanto ist die bekannteste künstliche Sprache. Sie setzt sich aus lateinisch- und germanischstämmigen Wörtern zusammen und wird in der internationalen Kommunikation eingesetzt. Eine Meldung zum Wimbledon-Sieg Roger Federers liest sich in Esperanto so:

Roger Federer triumfas en Wimbledon
La sivso Roger Federer dimance je la kvara foje sinsekve konkeris la teniskronon en Wimbledon. Ci-foje li devis defendi sian titolon kontrau Nadal, la ununura ludisto, kontrau kiu Federer pli ofte perdis ol gajnis. Per la kvara sinsekvs triumfo Federer definitive eternigis sin en la tenisolimpo.

Naming (Namensentwicklung)
Besonders tückisch ist, einem neuen Produkt einen Namen zu geben. In der Marketingsprache nennt sich das Namensentwicklung oder «Naming». Wie wichtig das ist, zeigt sich am Beispiel eines Geländefahrzeugs, das eigentlich auf der ganzen Welt «Pajero» hätte heissen sollen. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass dieser Begriff im Spanischen eine vulgäre Bedeutung hat, wurde das Auto nun in spanisch-sprachigen Ländern zum «Montero». Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass das Parfum «Irish Mist» (=Irischer Nebel) im deutschen Sprachraum «Irisch Moos» heisst.


Erfinden Sie eigene Wörter! Schicken Sie uns einen Satz mit mindestens drei neuen Wörtern per SMS an die Nummer 963. Tippen sie dazu «Babylon» ein, gefolgt von Ihrem Satz mit den drei erfundenen Wörter (max. 152 Zeichen, 30 Rp./SMS). Zu gewinnen gibt’s Bücherbons.


Auflösung

alles Nonsens, also ohne Sinn

 

Wenn Menschen miteinander reden, reden sie allzu oft aneinander vorbei, weil sie mit bestimmten Begriffen nicht das Gleiche meinen. Dieses Projekt soll dazu anregen, sich mit Wörtern auseinanderzusetzen. Denn die Sprache brauchen wir zwar täglich – sie ist aber keinesfalls alltäglich.

Ausführung: Stiftung Science et Cité www.science-et-cite.ch, Forschungsgruppe meaning.ch (Universität Bern) / Redaktion: advocacy.ch / Grafik: Atelier Poisson, Lausanne